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Privatheit und Garten
Tutzing,
23. - 25.5.2003, Tagungsleitung: Dr. Roswitha
Terlinden
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Haus, Wohnung, Innenhof und Garten sind die ursprünglichen
Orte menschlicher Privatheit. Sie können zugleich Kern freier
gesellschaftlicher, kultureller und politischer Handlungen
sein. Seit alters hat der umhegte Garten (das Paradies,
altpersisch „pairi-daé-za“) eine besondere Bedeutung für die
sozialen Beziehungen der Menschen. Er bildet einen fließenden
Übergang zwischen intimen, privaten und öffentlichen Orten.
„Räume des Gartens geben Individuen die Chance, ihren
persönlichen Ausdruck zu entwickeln und ein Gespür für Kraft
und Selbstentfaltung zu entdecken“ (Michel Conan). In der
Vergangenheit waren private Gärten häufig mit der Stellung und
den Aufgaben der Frauen verbunden. Am Beginn der Geschichte
des Gartens von Liancourt und des Gartens von Wörlitz finden
sich zwei Frauengestalten, die über das Medium Haus und Garten
Perspektiven von Öffentlichkeit und Privatheit, von Nähe und
Distanz vor ihrem jeweiligen kulturellen Hintergrund in
Frankreich und Deutschland auf unterschiedliche Weise
entfaltet haben. Faschistische und kommunistische Staaten
standen für ein Leben ohne Privatheit und ohne private oder
„geheime“ Gärten. Gartenkultur wird seit einigen
Jahrzehnten in europäischen und amerikanischen Ländern mit
Raumkunst verbunden. Mies van der Rohe konstruierte Häuser aus
Glas, um eine weite Perspektive auf die umgebende Landschaft
zu öffnen. Die Mauern aus Glas sind eine Art Filter zwischen
der inneren und äußeren Welt. Aktuell tendiert Terence Riley
dazu, das „Un-Private-House“ architektonisch zu entwerfen.
Dadurch beginnen die Konturen zwischen privaten und
öffentlichen Orten, die für menschliche Kommunikation so
bezeichnende Dialektik von Innen und Außen, zu zerfließen. Die
Kristallkugel im Datenhandschuh global agierender
Wirtschaftsunternehmen und der Geheimdienste perfektionieren
diese Entwicklung. Politiker können sicher sein, dass viele
Bürgerinnen und Bürger als Reaktion auf das neue Phänomen des
internationalen Terrorismus eine präventive Überwachung ihrer
privaten Orte vorbehaltlos akzeptieren. Der Blick auf
touchscreens und websites macht deutlich, dass nicht nur
staatliche Informationsgier und eine datenjagende Wirtschaft
das private Refugium bedrängen. Bürgerinnen und Bürger selbst
nehmen den Sinn von Privatheit oft nicht mehr wahr. Sie machen
sich zu einem öffentlichen Informationsobjekt, in dem sie Haus
und Garten audiovisuell im Internet präsentieren, das
„Unprivate-House“ globalisieren. Der Schutz von Haus
(Wohnung), Hof und Garten ist Bestandteil alter kultureller
Vermächtnisse. Um dies weiter zu gewährleisten, reichen
verfassungsrechtliche Grundrechtsgewährleistungen nicht aus.
Die „Schlange“ des Kommerzes, der Informationsgier und
schleusenlosen Informationspreisgabe hat nur dann keine
Chance, den umhegten Raum, das Stück Paradies zu zerstören,
wenn sich die Menschen nicht von ihr verführen lassen. Wir
möchten dem Thema des umhegten Gartens, die ihm gebührende
breitere Aufmerksamkeit verschaffen und laden Sie ein, sich an
dieser Diskussion zu beteiligen.
Dr. Roswitha
Terlinden, Studienleiterin, Tutzing Prof. Dr. Marie-Theres
Tinnefeld, München
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